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01.07.20181.000 Kilometer mit dem Fahrrad durch 3 Länder
von
Ulrich Friedrich Koch
Zwischen dem 18. und dem 28 Juni 2018 fuhr ich in 8 Tagen mit dem Fahrrad von Bickenbach nach Bern, auf dem Hinweg linksrheinisch durch das Elsaß über Basel und Delémont, auf dem Rückweg über Balsthal, Basel und rechtsrheinisch durch Baden-Würtemberg. Dabei fuhr ich jeweils längere Strecken durch Frankreich, die Schweiz und Deutschland. So gewann ich einen guten Vergleich, wie sich Fahrradfahren in diesen drei Ländern anfühlt und was man bei uns verbessern könnte.

Aus der frisch gemachten Erfahrung möchte ich dies unter drei Aspekten beleuchten:
  1. Wegleitsysteme

  2. Wegbeschaffenheit

  3. Verkehrsklima.


1. Wegleitsysteme

In allen drei Ländern gibt es erkennbare Radwegbeschilderung. Deren Qualität und Systematik ist deutlich unterschiedlich.

In Deutschland dominieren längliche Schilder mit grüner Schrift auf weißem Hintergrund. Die sind weder in den Städten noch auf dem Land genügend kontrastreich, um gut gesehen zu werden. Gerade im Stadtverkehr, der volle Konzentration erfordert, hat man selten die Zeit, jede Kreuzung nach Radweg-Hinweisschildern zu ’scannen‘ bzw. zu studieren. Im optischen Chaos zwischen Leucht-Reklame und Verkehrszeichen bzw. Signalen für den motorisierten Verkehr sowie touristischen Hinweisschildern gehen diese Schilder unter. Auf dem Land in der Natur ist die Kombination der Farben weiß und grün einfach ungeeignet. Nummerierte Radweg-Routen werden, wenn überhaupt vorhanden, so selten ausgeschildert, dass diese Schilder keine Hilfe bieten, zumal Beschreibungen fehlen, für welche Routen die Nummern gelten. Das größte Problem ist aber die lückenhafte Ausschilderung. An vielen Kreuzungen bzw. Wegabzweigungen fehlen schlicht die Richtungshinweise. Für Radler*innen, die nicht unmittelbar ortskundig sind, ist dies eine Tortur.
Auf meiner Fahrt stand ich gefühlt an jeder dritten Kreuzung und habe entweder ’Schilderbäume‘ studieren oder über den richtigen Weg rätseln müssen. Geschätzt bin ich deshalb insgesamt rund 20 Kilometer falsch gefahren. Zusätzlich kommt der Zeitverlust durch Verunsicherung und ’Rätselraten‘.
Einen Teil meiner Fahrt nutzte ich den Europa-Rheintalweg Nummer 15. Dessen Beschilderung ist aber sehr lückenhaft bzw. wird dieser im Wechsel mit regionalen Hinweisen ausgezeichnet, was für Ortsunkundige aber keine Hilfe ist.
In Karlsruhe und Mannheim fand ich keine tangentiale Wegausweisung, um Ortszentren - weitläufig - umfahren zu können. Man wird immer ins Zentrum ’gelenkt‘ um dann über die richtige Richtung zu Weiterfahrt zu rätseln.

In Frankreich (Elsaß) werden Radwege auf länglichen Schildern mit roter Schrift ausgezeichnet. Die sind leichter erkennbar, als die deutsche Kombination grün-weiß. Die Beschilderungsdichte ist höher als in Deutschland. Wie ich hörte, wird im Elsaß aber seit etlichen Jahren gezielt an dem Ausbau der Radweginfrastruktur gearbeitet. Andere Erfahrungen gleichen aber denen, die ich in Deutschland gemacht habe.

Im ’Veloland‘ Schweiz ist die Radverkehrsführung deutlich besser. Es gibt ein nationales ein überregionales und ein regionales Leitprinzip. Die nationalen Wege werden mit einstelligen Ziffern, die überregionalen Wege mit zweistelligen Ziffern ausgeschildert. Das hat den großen Vorteil, dass man mit einem kurzen Blick erfassen kann, ob man richtig oder falsch fährt. Man muss nicht erst anhalten und ’Schilderbäume‘ studieren. Überregionale (Zwischen-)Ziele werden trotz Nummernleitsystem immer mal wieder namentlich aufgeführt.
Die Schilder selbst sind meist rechteckig, die Ziffern sind weiß in einem hellblauen Quadrat auf bordeaux-rotem Hintergrund. Diese sieht man deutlich besser als die Schilder auf weißem Hintergrund. Derselbe Farbcode wird auch für die regionale Ausschilderung benutzt - einheitlich im ganzen Land. Die Beschilderung erfolgt mit weit höherer Dichte und Konsequenz als in Frankreich oder gar in Deutschland. Falschfahrten kamen bei meiner Tour durch die Schweiz praktisch nicht vor. Man fühlt sich wie auf einem Leitstrahl. Da man nicht dauernd über den richtigen Weg rätseln muss, kann man sich mehr auf die wirklichen Sehenswürdigkeiten und natürlich den Verkehr konzentrieren.



2. Wegbeschaffenheit

In Deutschland gewinnt man den Eindruck, dass Bürgersteige mal eben schnell ein Radwegsymbol verpasst bekommen haben und landwirtschaftliche Nutzwege unverhofft Karriere als Radwege machen. Wirklich eigens angelegte Radwege mit gutem Asphalt fand ich nur in Freiburg mit einer 500 Meter langen Fahrradstraße im Zentrum. Auf dem Mannheimer Innenstadtring gibt es immerhin auf dem Asphalt zwischen den Autofahrspuren deutlich und rot markierte Radspuren. Das war es aber auch schon.
Ansonsten wird der Radverkehr systematisch an den Rand gedrängt. Außerhalb der Stadtzentren zu einem großen Teil auf Bürgersteigen, deren Belag zu befahren eine Zumutung darstellt und teilweise sogar gefährdend ist. (Wie sollen Kinder und alte Menschen da zum Radfahren motiviert werden?) Außerhalb geschlossener Ortschaften wird der Stellenwert des Radverkehrs häufig sichtbar durch Wegbelag in schadhaftem Asphalt, gerne unterbrochen durch Wurzelwerk oder gar gleich als Schottertrassen, in beiden Varianten häufig als Schlaglochpiste. Daneben sieht man nicht selten besten Straßenbelag für den motorisierten Verkehr. Das ganze wird gekrönt durch die speziell deutsche Manie, jede noch so schlechte Piste für den Radverkehr als benutzungspflichtig zu deklarieren. Dieses Ausgrenzungssystem führt zusätzlich häufig zu Umwegen und ungünstigerer Topografie, also kleinräumig größeren zu bewältigenden Steigungen, als sie dem motorisierten Verkehr zugemutet werden.

In Frankreich (Elsaß) gibt es das sichtbare Bemühen, ein durchgängiges Radwegnetz zu schaffen. Wege in den Stadtzentren sind meist gut befahrbar, auf dem Land wurde sichtlich daran gearbeitet, eine gute bzw. wenigstens brauchbare Wegqualität anzubieten. Auch hier gilt aber offenbar der Grundsatz, den Radwegverkehr weitgehend von der Straße fern zu halten.

In der Schweiz ist mir keine Schlaglochpiste begegnet. Über Land gibt es durchaus Schotterwege, man hat aber das Gefühl, diese Wege wurden so verdichtet, dass Radfahren gut möglich bleibt. Insgesamt, vor allem aber auf den Bergstrecken laufen Radspuren direkt auf den Straßen, lediglich abmarkiert mit durchbrochener Linie. Das Maß der Steigungen wie die Qualität der Wegbeschaffenheit ist dort weitgehend identisch mit dem, was dem motorisierten Verkehr angeboten wird. Die Straßenbreite ist durchgängig dem Bedarf und der Frequenz angemessen. Solche Radstreifen gibt es sehr häufig auch neben Schnellstraßen, die durch Tunnel führen! In den Städten hat Radfahren einen hohen Stellenwert. Gut ausgebaute Wegnetze - oft auf den Fahrbahnen - führen zu Verhältnissen, wie ich dies in Deutschland nur in Freiburg gesehen habe.
In der Schweiz ist Radfahren flüssig möglich, trotz schwieriger Topografie.



3. Verkehrsklima

Das Verkehrsklima für den Radverkehr wird sowohl vom Verhalten der Verkehrsteilnehmer mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln untereinander als auch von der herrschenden Radverkehrsplanung bestimmt.

In Deutschland gewinnt man das Gefühl, die Radwegbenutzungspflicht wurde nur deshalb erfunden, um sich den lästigen Radverkehr aus den Füßen zu halten. Ich erlebe das täglich als Verdrängung. Die Benutzungspflicht produziert ein permanentes Bedrohungsgefühl. An den meisten so ’freigehaltenen‘ Straßen gibt der Verkehrsfluss keine Rechtfertigung für diese Maßnahme her.
Straßen, die man als Radfahrer benutzen darf, werden baulich so gestaltet, dass ihre Befahrung in der Verkehrspraxis lebensgefährlich ist. Gut sichtbar ist das an Bundesstraßen, die durch Städte geführt werden und dort nicht zu Autostraßen deklariert wurden. Regelmäßig werde ich an solchen Straßen mit der Hupe verdrängt, obwohl ich oft im Verkehrsfluss mithalten könnte. Die Mentalität der meisten Autofahrer ist so, dass der Radverkehr als eine der Hauptursachen für langsames Fortkommen angesehen wird. Das Revanche-Foul wird in der Regel durch Passieren ohne Seitenabstand praktiziert. Das produziert Adrenalin.
Man bekommt in Deutschland als Radfahrer das Gefühl vermittelt, ausschließlich Störfaktor und deshalb unerwünscht zu sein.
Die gewählten Verkehrsmittel, zu Fuß gehen, Radfahren, öffentlicher Personenverkehr und individueller motorisierter Verkehr werden nicht gleichberechtigt behandelt. Dies führt zu brachialem Verhalten auf der einen und zu ständiger Wut auf der anderen Seite - eine ganz schlechte Mischung.

Die Franzosen erlebe ich generell viel gelassener als die Deutschen. Dies ist auch im Straßenverkehr spürbar.

In der Schweiz ist das Verkehrsklima bezüglich des Radverkehrs unmittelbar deutlich anders, will heißen entspannter. Das ist schlagartig fühlbar, wenn man im Baseler Stadtgebiet über die Grenze fährt. Der Radverkehr in der Schweiz ist akzeptierter Teil der Fortbewegung ohne für mich ersichtliche Diskriminierung. Dies strahlt aus auf den Umgang miteinander.
Die Verkehrsplanung hat den Radverkehr immer mit auf der Agenda. Dies beeinflusst sehr direkt das verkehrliche Miteinander. Davon können - und müssen - wir in Deutschland noch viel lernen.


Bickenbach, den 1. Juli 2018

Ulrich Friedrich Koch


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