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18.10.202011. Bürgermeisterwahl 1993
von
Ulrich Friedrich Koch

Link zum Register 40 Jahre grün-alternative Politik in Bickenbach




Im Mai 1992 beschließt der Hessische Landtag, dass Bürgermeister und Landräte künftig von den Bürgern direkt und nicht mehr von den Gemeindeparlamenten und Kreistagen gewählt werden. Bürgermeister Schemel hatte im gleichen Jahr mitgeteilt, dass er im Laufe des Jahres 1993 in den Ruhestand treten will. SPD-intern bewerben sich Uwe Daum, Rolf Geiger und Frank Wittersheim um die Kandidatur für das Bürgermeisteramt. Ende September 1992 wird Frank Wittersheim zum SPD-Kandidaten gekürt.

Die Bickenbacher Grünen entscheiden im Juli 1993 einstimmig, Ulrich Friedrich Koch als ihren Kandidaten für die Bürgermeisterwahl aufzustellen. Motiv dafür ist zum einen die Befürchtung, dass es möglicherweise sonst keine personelle Alternative gibt, zum anderen, dass es klare Divergenzen zu den von Wittersheim vertretenen kommunalpolitischen Zielsetzungen gibt.

Die CDU entscheidet sich erst Ende August 1993 für Günter Martini aus Gießen als ihren Bürgermeister-Kandidaten. Gleichzeitig entscheidet sich die örtliche FDP gegen eine eigene Kandidatur.

Der grüne Kandidat schreibt Bickenbacher Firmen, Vereine und Initiativen an, stellt sich als Bürgermeister-Kandidat vor und bietet ein persönliches Gespräch an. Im August und September 1993 finden 9 solcher Gespräche statt. Im September 1993 veröffentlicht das Bickenbacher Magazin ein Interview mit dem Bürgermeisterkandidaten Ulrich Koch geführt von Birgit Köhler-Günther (Bickenbacher Magazin - Heft 49). Die Grünen verteilen einen Flyer zur Bürgermeisterwahl am 7. November 1993, organisieren die Plakatierung und laden zu zwei öffentlichen Veranstaltungen ein.





Im September und Oktober finden zwei öffentliche Diskussionsveranstaltungen mit den drei Bürgermeisterkandidaten statt. Veranstalter sind eine 'Initiative Bickenbacher Sandhasen' und die 'Elterninitiative'. Wenige Tage vor der Wahl werden Wahlplakate von Wittersheim (SPD) und Koch (Grüne) verschandelt - die Gemeinde informiert die Polizei und setzt eine Belohnung von 1.000 DM für Hinweise auf die Täter aus.


Pressespiegel zur Bürgermeisterwahl 1993 vor der Wahl am 7. November


Die Bürgermeisterwahl am 7. November 1993 gewinnt Frank Wittersheim mit 46,8% / 1.107 Stimmen vor Günter Martini mit 40,1% / 947 Stimmen. Die Differenz beträgt 160 Stimmen zu Gunsten Wittersheims. Da Wittersheim aber unter 50% der Stimmen gewonnen hat, kommt es zu einer Stichwahl.
Allerdings verliert der SPD-Kandidat absolut 96 Wahlstimmen (-2,2%), der Kandidat der CDU gewinnt absolut 359 Wahlstimmen (+16,2%) im Vergleich zur Kommunalwahl im März 1993.

Der Grüne Kandidat Ulrich Friedrich Koch wird von 13,1% / 309 Wähler*innen gewählt. Das sind 115 Wähler*innen (4,2%) weniger als die Grünen Stimmen acht Monate zuvor bei den Kommunalwahlen errungen hatten.

Auf seiten der Grünen gibt es verschiedene Einschätzungen dazu:
  • Das Ergebnis von Wittersheim wird als den Umständen entsprechend gut bewertet. Möglicherweise gibt es doch eine große Angst vor einem parteipolitischen Wechsel im Bürgermeisteramt.
  • Martini hat 'Klinken geputzt'. Sein Image als Polizeibeamter hat ihm sicherlich geholfen.
  • Koch hätte nur eine Chance gehabt, wenn es gelungen wäre, Wähler*innen von der SPD abzuziehen. Dies ist nicht gelungen. Potentielle Wähler*innen von CDU und/oder FDP konnten offensichtlich nicht gewonnen werden.
  • Fragen der gemeindlichen Verkehrspolitik werden für wahlentscheidend gehalten, hier v.a. Thema Umgehung bzw. Auto-Fixierung von kommunaler Verkehrspolitik.

Die Grünen geben für die Stichwahl keine Wahlempfehlung ab.
Ihr Kandidat Koch erklärt noch am Wahlabend, bei der Stichwahl für Martini (CDU) zu stimmen, weil er sich 'ein Gegengewicht zur Übermacht der Sozialdemokraten in der Gemeindevertretung' wünsche (Zitat aus Darmstädter Echo vom 8.11.1993).
Wittersheim (SPD) richtet in einem im Ort verteilten Flyer 'ein paar Worte an die Wählerinnen und Wähler der Grünen'. Er erinnert an die Politik, für die die CDU stehe, und appelliert, die 'Wahlentscheidung am 28.11. ausschließlich nach sachlichen Gesichtspunkten (zu) treffen.'

Unmittelbar vor der Stichwahl erklärt der CDU-Fraktionsvorsitzende Robert Middel gegenüber dem Darmstädter Echo, 'sollte Martini gewählt werden, (schwebe ihm) keine Koalition vor'. (Darmstädter Echo vom 26.11.1993)


Pressespiegel zur Bürgermeisterwahl 1993 zwischen Wahl und Stichwahl



Ergebnisse der Wahlen zur Gemeindevertretung und dem Kreistag am 07.03.1993, der Bürgermeister-Wahl am 07.11.1993 und der Bürgermeister-Stichwahl am 28.11.1993



Zur großen Überraschung aller gewinnt der CDU-Kandidat Günter Martini die erste Bürgermeister-Direktwahl in Bickenbach. Martini (CDU) gewinnt in der Stichwahl 423 Stimmen hinzu, Wittersheim (SPD) verliert 9 Stimmen. Rechnerich setzt sich Martinis Zugewinn aus 105 gültigen Wahlstimmen mehr, als zwei Wochen zuvor, 309 Stimmen der Grünen und 9 Stimmen der SPD. Natürlich sind zwischen den Parteigänger*innen Wählerwanderungen möglich. Sie erscheinen aber doch sehr unwahrscheinlich.



Nur 10 Tage nach seiner Wahl zum Bürgermeister kommt von Günter Martini ein 'Vorschlag einer Vereinbarung zwischen Bürgermeister - Grüne/Bündnis 90 - FDP - CDU' zur Herstellung eines 'grundsätzlichen Einvernehmens und eines gemeinsamen Vorgehens bei den wichtigsten Sachthemen'.

In seiner Rede zur Amtseinführung am 29. Dezember 1993 betont der neue Bürgermeister Günter Martini: 'Meine Damen und Herren, in den vergangenen Monaten habe ich immer wieder betont, daß es für mich als Bürgermeister im Rathaus keine Parteipolitik geben wird.'

Mit Schreiben vom 19. Januar 1994 teilen die Grünen Bürgermeister Martini mit, dass 'wir uns gegen ein festes Bündnis zwischen den genannten Seiten entschieden' haben. 'Für Gespräche in Sachfragen stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung.'


Pressespiegel zur Bürgermeisterwahl 1993 nach der Stichwahl am 28. November


Im Juni 1994 erscheint im Bickenbacher Magazin ein Interview von Günter Martini nach seinen ersten '100 Tage(n) Bürgermeister in Bickenbach'. Darin wird er nach seiner Sicht der Parteien in Bickenbach befragt. Zu den Grünen äußert er sich wie folgt: 'Positiv überrascht war ich von der Grünen Partei hier in Bickenbach, die ich als sehr vernünftige Leute kennengelernt habe und die ich überhaupt nicht mit der Mehrheit der Grünen Fraktion im Gießener Stadtparlament vergleichen kann. Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Dies ist aber der richtige Weg. Ich hoffe, daß wir es noch schaffen, eine gemeinsame Arbeit für Bickenbach auf den Weg zu bringen.' (Zitat aus Bickenbacher Magazin, Heft 52, Juni 1994, Seite 110ff)



Zur Politik der Grünen vor und nach der ersten Bürgermeister-Direktwahl im November 1993 siehe den Beitrag Die Grünen - 1993 bis 1997 hier auf dieser Homepage.



Zu guter Letzt und unvermeidlich:

Frau Dalle und das Bürgermeisteramt, glossiert von Hermann Benjes, aus: Bickenbacher Magazin - Hefte 43 bis 49 - zwischen 1992 und 1993






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